Ashes of Creation vor dem Aus: Wenn MMO-Träume zu Asche werden

Nach dem plötzlichen Rückzug von Studiochef Steven Sharif und Massenentlassungen bei Intrepid Studios steht das ambitionierteste Rollenspiel-Projekt der letzten Jahre vor dem Ruin. Der Traum vom "WoW-Killer" aus dem Westen scheint endgültig geplatzt
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Von Dominik Litzmann
Ashes of Creation vor dem Aus: Wenn MMO-Träume zu Asche werden

Es sollte die Branche revolutionieren: Ein Sandbox-MMORPG, das auf die Wünsche der Community hört, ohne Publisher-Druck entsteht und eine lebendige Welt bietet, die sich durch Spielerentscheidungen ständig verändert. Doch die Realität im Februar 2026 sieht düster aus. Statt des versprochenen Meilensteins blicken wir in den Abgrund eines gescheiterten Mammutprojekts, das seine Fans mit mehr Fragen als Antworten zurücklässt.

Der tiefe Fall eines Hoffnungsträgers

Der Schock kam am 31. Januar 2026: Steven Sharif, das Gesicht und die treibende finanzielle Kraft hinter Ashes of Creation, verkündete seinen Rücktritt. In einer emotionalen Nachricht auf Discord sprach er von einem unüberbrückbaren Zerwürfnis mit dem Board of Directors. Sharif betonte, er könne die strategischen Entscheidungen des Vorstands "ethisch nicht länger mittragen".

Was folgte, war ein Domino-Effekt:

  • Führungslos: Nahezu das gesamte Senior-Design-Team schloss sich Sharif an und reichte die Kündigung ein.
  • Massenentlassungen: Nur kurze Zeit später wurden Berichte über massive Entlassungswellen laut. Nahezu die gesamte Belegschaft von Intrepid Studios erhielt Kündigungen nach dem WARN-Act.
  • Finanzieller Kollaps: Gerüchte über unbezahlte Löhne und Schulden bei Cloud-Dienstleistern in Höhe von über 850.000 US-Dollar machen die Runde.

Vom Steam-Launch direkt ins Verderben

Besonders bitter stößt der Community der zeitliche Ablauf auf. Erst am 11. Dezember 2025 startete die Alpha 2 als Early-Access-Version auf Steam. Spieler zahlten hohe Beträge, um Teil der "Verra-Erfahrung" zu werden. Heute, nur zwei Monate später, wurde der Titel bereits wieder von der Verkaufsplattform entfernt.

Kritiker werfen dem Studio nun vor, den Steam-Release nur forciert zu haben, um ein letztes Mal frisches Kapital zu generieren, während das Schiff hinter den Kulissen längst sank. Experten schätzen, dass das Spiel zu diesem Zeitpunkt maximal zu 30 % fertiggestellt war – ein Armutszeugnis nach fast zehn Jahren Entwicklungszeit und Millionen an Kickstarter-Geldern.

Klagen und Rufe nach Rückerstattung

Während die Server der Alpha-Version technisch gesehen noch online sind, wird nicht mehr an dem Spiel gearbeitet. Das Ergebnis: Eine riesige, unfertige Baustelle ohne Bauarbeiter. In den sozialen Medien formiert sich bereits Widerstand. Ehemalige Angestellte prüfen rechtliche Schritte wegen ausstehender Gehälter, während geprellte Käufer auf Hilfe von Valve hoffen, um ihre Investitionen zurückzuerhalten.

Ein Trümmerhaufen ohne Vision

Es ist die Geschichte eines Ikarus-Fluges. Ashes of Creation wollte zu viel auf einmal und verbrannte sich an der eigenen Ambition und den enormen monatlichen Fixkosten von schätzungsweise drei Millionen Dollar. Ob eine andere Firma die Assets übernimmt und das Projekt in abgespeckter Form weiterführt, ist fraglich. Ohne die Vision und das Privatvermögen von Steven Sharif fehlt dem Spiel das Herzstück. Für die MMO-Welt bleibt im Februar 2026 die bittere Erkenntnis: Transparenz und Leidenschaft allein garantieren noch lange kein fertiges Spiel.

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