Discord führt Pflicht-Check ein: Ohne Ausweis kein voller Zugriff

Die Chat-Plattform macht Ernst beim Jugendschutz und schaltet für alle Konten standardmäßig den Teenager-Modus scharf. Wer sensible Inhalte sehen oder Filter anpassen möchte, muss künftig Gesicht oder Ausweis zeigen.
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Von Dominik Litzmann
Discord führt Pflicht-Check ein: Ohne Ausweis kein voller Zugriff

Der gemütliche Plausch in geschlossenen Kanälen bekommt eine neue Hürde: Discord rollt ab März weltweit eine verpflichtende Altersverifizierung aus. Damit reagiert das Unternehmen auf wachsenden politischen Druck, wirft aber gleichzeitig neue Fragen zur Datensicherheit auf.

Radikaler Umbruch für bestehende Accounts

Bisher war Discord für viele Gamer ein Ort der Freiheit, doch damit ist bald Schluss. Unabhängig davon, wie viele Jahre ein Account bereits auf dem Buckel hat, stuft Discord ab März jeden Nutzenden automatisch als Teenager ein. Diese Sicherheits-Voreinstellung schränkt das Erlebnis massiv ein: Altersbeschränkte Server bleiben unsichtbar, Filter für sensible Inhalte lassen sich nicht deaktivieren und Direktnachrichten von Fremden landen in einem streng bewachten Quarantäne-Ordner.

Wer die volle Kontrolle über sein Profil zurückgewinnen möchte, kommt um einen digitalen Identitätsnachweis nicht herum. Erst nach einer erfolgreichen Verifizierung werden die digitalen Fesseln gelöst und die Plattform kehrt zum gewohnten Funktionsumfang zurück.

Video-Selfie oder Ausweis-Scan?

Für den Alterscheck bietet Discord zwei Wege an:

  • Gesichtserkennung: Ein Video-Selfie wird zur Schätzung des Alters genutzt.
  • Dokumenten-Check: Das Einreichen eines offiziellen Lichtbildausweises.

Zusätzlich setzt Discord im Hintergrund auf ein KI-Modell zur Altersschätzung. Das Ziel ist eine einmalige Prüfung, die im Erfolgsfall per Direktnachricht bestätigt wird. Für andere Mitglieder bleibt der Verifizierungsstatus unsichbar – ein kleiner Trost für die Privatsphäre.

Das Gespenst der Datenleaks

Trotz der Beteuerung, dass Video-Daten lokal verarbeitet und Ausweise zügig gelöscht werden, bleibt ein fader Beigeschmack. Die Skepsis in der Community ist groß, denn die Wunde aus dem Vorjahr sitzt tief. Erst Ende 2025 musste Discord einräumen, dass Hacker Zugriff auf die Ausweisdaten von rund 70.000 Nutzenden erlangt hatten. Zwar behaupteten die Angreifer damals sogar, Millionen von Datensätzen erbeutet zu haben, doch auch die bestätigte Zahl sorgte für einen massiven Vertrauensverlust.

Dass nun ausgerechnet die Funktion zur Pflicht wird, die in der Vergangenheit das Ziel von Datendieben war, sorgt für hitzige Debatten in Foren und auf Social Media. Discord versucht die Wogen zu glätten und kündigte parallel die Gründung eines Jugendrats an, um die Sicherheit künftig gemeinsam mit Experten und Usern zu gestalten.

Zwischen Sicherheitsschloss und Datengrab

Discord steht vor einem Drahtseilakt. Einerseits ist der Schutz von Minderjährigen vor Online-Radikalisierung und unangemessenen Inhalten längst überfällig – das sieht auch der US-Kongress so, der Plattformen wie Steam und Discord verstärkt unter die Lupe nimmt. Andererseits zwingt man Millionen von Menschen dazu, ihre sensibelsten Daten einem Unternehmen anzuvertrauen, das bereits bewiesen hat, dass kein System unfehlbar ist. Für Core-Gamer bedeutet das: Entweder die digitale Identität preisgeben oder mit einem "beschnittenen" Account leben.

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