Marvel Rivals sagt Lord Farming den Kampf an
NetEase reagiert auf ein wachsendes Problem: Immer mehr Spielende farmen spawnbasiert Belohnungen – und ignorieren das eigentliche Spielziel.
Mit Season 6 von Marvel Rivals ist vergangene Woche nicht nur Deadpool ins Heldenaufgebot eingezogen, auch das Proficiency-System wurde grundlegend überarbeitet. Doch was als Motivation gedacht war, hat einen unerwünschten Nebeneffekt: sogenanntes Lord Farming breitet sich zunehmend aus – sehr zum Frust der Community.
Neues System, falsche Anreize
Im Zuge des Updates hat NetEase das bisherige, auf Helden und Rollen zugeschnittene Proficiency-System ersetzt. Stattdessen gibt es nun ein lineares Fortschrittsmodell mit 70 Stufen, das ausschließlich über universelle Herausforderungen funktioniert. Jede Spielfigur entwickelt sich identisch, unabhängig von Rolle oder Spielweise. Zusätzlich wird Proficiency nun stärker über reine Spielzeit vergeben.
Das Problem: Wer möglichst effizient kosmetische Belohnungen freischalten will, kann das System ausnutzen. Einige Spielende bleiben direkt im Spawn stehen, spammen Fähigkeiten und lassen Matches praktisch ohne aktive Teilnahme laufen. Diese sogenannten Lord Farmer verzerren Matches massiv und sorgen für Frust bei allen, die tatsächlich auf Sieg spielen wollen.
NetEase kündigt harte Maßnahmen an
Der Entwickler NetEase hat inzwischen reagiert. In einem offiziellen Statement kündigte das Team an, ein Kampfverhaltens-Erkennungssystem einzuführen. Dieses soll automatisch erkennen, wenn Spielende absichtlich stationär bleiben und nur zum Farmen von Werten aktiv sind.
Betroffene Accounts müssen mit Konsequenzen rechnen – von Verwarnungen über temporäre Sperren bis hin zu permanenten Bans. Wann das System live geht, ist allerdings noch offen. Ebenso unklar bleibt, ob Maßnahmen geplant sind, um gebannte Spielende vom schnellen Erstellen neuer Accounts im Free-to-Play-Titel abzuhalten.
Ein bekanntes Designproblem
Das Phänomen erinnert stark an eine bekannte Design-Erkenntnis aus der Spielebranche. Schon 2011 schrieb Soren Johnson, Designer von Civilization, sinngemäß:
Spielende optimieren Systeme oft so lange, bis der Spaß auf der Strecke bleibt – wenn das Spiel es zulässt.
Genau das scheint nun auch bei Marvel Rivals zu passieren. Das neue Fortschrittssystem belohnt Effizienz stärker als Teamplay – und schafft damit falsche Anreize.
Reicht das aus?
Ein automatisches Erkennungssystem dürfte das schlimmste Verhalten eindämmen. Doch viele Stimmen aus der Community fordern mehr: etwa eine erneute Anpassung des Proficiency-Systems, das aktives Spielen von Zielen, Teamplay und Matchbeteiligung stärker gewichtet.
Ob NetEase hier noch einmal nachjustiert, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Ohne Änderungen am grundlegenden Design dürfte das Lord-Farming-Problem nur schwer dauerhaft zu lösen sein – ganz egal, wie viele Accounts gesperrt werden.
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