Totgesagte leben länger: Nintendo bringt gecancelte Virtual Boy-Klassiker zurück

Nach über 30 Jahren im Archiv spendiert Nintendo dem Virtual Boy ein Comeback bei Nintendo Switch Online – inklusive zweier Spiele, die nie offiziell erschienen sind.
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Von Dominik Litzmann
Totgesagte leben länger: Nintendo bringt gecancelte Virtual Boy-Klassiker zurück

Es ist eine kleine Sensation für Retro-Fans und Historiker gleichermaßen: Nintendo kramt die rote Hardware-Kuriosität der 90er-Jahre wieder hervor. Was damals als einer der größten Flops der Firmengeschichte endete, kehrt nun als Teil des Erweiterungspakets von Nintendo Switch Online zurück. Doch das eigentliche Highlight sind nicht nur die bekannten Klassiker, sondern zwei "verschollene" Titel, die nun erstmals spielbar werden.

Ein zweiter Frühling in Rot und Schwarz

Der Virtual Boy war 1995 Nintendos mutiger, aber letztlich gescheiterter Versuch, Virtual Reality massentauglich zu machen. Das klobige Headset, das auf einem Tisch stehen musste, bot lediglich monochrome Grafiken in Rot-Schwarz-Optik. Nach nur einem Jahr und mickrigen Verkaufszahlen wurde die Konsole eingestellt – und mit ihr zahlreiche Projekte, die fast fertiggestellt waren.

Genau hier setzt Nintendo nun an. Ab dem 17. Februar 2026 wird die Bibliothek „Virtual Boy – Nintendo Classics“ verfügbar sein. Zum Start dürfen wir uns auf sieben Titel freuen:

  • Virtual Boy Wario Land
  • Galactic Pinball
  • Red Alarm
  • Teleroboxer
  • 3-D Tetris
  • Golf
  • The Mansion of Innsmouth

Die Rückkehr der verlorenen Schätze

Die größte Überraschung ist jedoch die Ankündigung von Zero Racers und D-Hopper. Diese Spiele wurden vor drei Jahrzehnten gecancelt und nie veröffentlicht, obwohl sie offenbar weit fortgeschritten oder gar fertiggestellt waren.

Zero Racers (ursprünglich als G-Zero bekannt) sollte das erste F-Zero in echtem 3D werden. Fans der Highspeed-Racer können hier also ein Stück Seriengeschichte nachholen, das 1996 kurz vor dem Zielstrich gestoppt wurde. D-Hopper (auch als Dragon Hopper bekannt) ist ein Action-Adventure aus der Vogelperspektive, das mit Plattform-Elementen und Kämpfen in einer Fantasy-Welt aufwartet.

Der nostalgische Haken

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings für alle, die hofften, die Spiele einfach auf dem Fernseher zu zocken: Die Titel setzen auf stereoskopisches 3D und erfordern spezielle Hardware. Nintendo bietet hierfür zwei Varianten an: Eine preiswerte Karton-Ausführung für 19,99 Euro (ähnlich dem Labo-Prinzip) und ein hochwertiges Kunststoff-Headset für 79,99 Euro.

Technisch wird der Dienst jedoch modernisiert. Ähnlich wie bei den NES- oder SNES-Apps wird es eine Rückspulfunktion, Speicherpunkte und frei konfigurierbare Tasten geben. Später im Jahr sollen zudem Filter folgen, mit denen man die klassische Rot-Anzeige in andere Farben umstellen kann, um die Augen zu schonen.

Ein Museumsstück zum Anfassen

Dass Nintendo tief in den Archiven gräbt, um ehemals gecancelte Spiele wie damals Starfox 2 zu veröffentlichen, zeigt eine Wertschätzung für die eigene Historie, die man sich öfter wünscht. Der Virtual Boy wird zwar auch 2026 kein Massenphänomen mehr, aber für Sammler und Neugierige ist dieses „offizielle Emulations-Kit“ ein faszinierendes Experiment. Ob die 3D-Effekte heute noch begeistern oder eher Kopfschmerzen verursachen, wird sich Mitte Februar zeigen.

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