Ubisoft am Wendepunkt: Sechs Spiele gecancelt, Fokus auf Milliarden-Franchises

Der französische Publisher richtet sich neu aus, streicht Projekte und strukturiert seine Entwicklung grundlegend um. Für Fans bedeutet das: weniger Experimente, mehr Konzentration auf bewährte Marken.
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Von Dominik Litzmann
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Ubisoft am Wendepunkt: Sechs Spiele gecancelt, Fokus auf Milliarden-Franchises

Ubisoft steht vor einem der tiefgreifendsten Umbrüche seiner jüngeren Unternehmensgeschichte. Im Rahmen eines neuen Strategie-Reports hat der Konzern bestätigt, dass gleich sechs Spiele eingestellt wurden – darunter auch das lange erwartete Remake von Prince of Persia: The Sands of Time. Gleichzeitig kündigt Ubisoft einen klaren Kurswechsel an: Künftig sollen vor allem die milliardenschweren Kernmarken im Fokus stehen.

Ein Remake verschwindet – und weitere Projekte gleich mit

Bereits 2020 angekündigt, entwickelte sich das Remake von Prince of Persia: The Sands of Time schnell zu einem Sorgenkind. Interne Studio-Wechsel, technische Probleme und jahrelange Funkstille ließen Zweifel wachsen – nun ist es offiziell: Das Projekt wurde im Zuge der Umstrukturierung komplett eingestellt.

Neben dem Remake traf es laut Ubisoft:

  • Vier unangekündigte Spiele, davon drei neue IPs
  • Einen Mobile-Titel

Als Begründung nennt das Unternehmen verschärfte Qualitätsstandards sowie neue, strengere Kriterien zur Priorisierung des Konzernportfolios. Mehr Fokus, weniger Streuverluste – so die klare Botschaft.

Von Prince of Persia zu Assassin’s Creed – ein historischer Wendepunkt

Ironisch wirkt der Blick zurück: Aus einem frühen Konzept für einen Prince of Persia-Nachfolger entstand 2007 Assassin’s Creed – heute Ubisofts wichtigste Marke. Damals entschied man sich bewusst für eine neue Reihe, weil die Ideen nicht mehr zur DNA von Prince of Persia passten. Eine Entscheidung, die den Konzern nachhaltig geprägt hat.

Fünf Kreativhäuser statt klassischer Studios

Herzstück der neuen Strategie ist ein neues Betriebsmodell mit fünf sogenannten Kreativhäusern, die jeweils eigenständig wirtschaften und für ihren Erfolg verantwortlich sind. Ubisoft erhofft sich dadurch schlankere Strukturen und schnellere Entscheidungen.

Die neuen Kreativhäuser im Überblick

Haus 1 – Vantage Studios
Fokus: Die größten Franchises
Marken: Assassin’s Creed, Far Cry, Rainbow Six

Haus 2 – Shooter & Taktik
Fokus: Kompetitive und kooperative Action
Marken: The Division, Splinter Cell, Ghost Recon

Haus 3 – Live-Erlebnisse
Fokus: Service-Games und langlebige Titel
Marken: For Honor, The Crew, Riders Republic, Brawlhalla, Skull & Bones

Haus 4 – Narrative & Fantasy
Fokus: Immersive Welten und Story
Marken: Anno, Might and Magic, Rayman, Prince of Persia, Beyond Good and Evil

Haus 5 – Casual & Mobile
Fokus: Breite Zielgruppen
Marken: Just Dance, Idle Miner Tycoon, Ketchapp, Hungry Shark, Uno, Hasbro-Titel

Zusätzlich befinden sich vier neue IPs in Entwicklung, darunter March of Giants, ein 4-gegen-4-MOBA. Eine genaue Zuordnung zu den Kreativhäusern steht noch aus.

Studioschließungen bestätigt – CEO spricht Klartext

Dass dieser Kurswechsel nicht ohne Einschnitte abläuft, machte Ubisoft-CEO Yves Guillemot unmissverständlich klar. In einem Statement kündigte er an, dass mehrere Studios geschlossen werden sollen. Ziel sei es, Kosten zu senken, Qualität zu steigern und langfristig eine nachhaltigere Organisation aufzubauen.

„Diese Entscheidungen sind schwierig, aber notwendig, um Ubisoft fokussierter, effizienter und langfristig erfolgreicher aufzustellen.“

Bereits Anfang Januar wurde ein erstes Studio geschlossen – über 70 Mitarbeitende waren betroffen.

Was bedeutet das für Fans?

Ubisoft setzt alles auf eine Karte: weniger Experimente, mehr Blockbuster. Für Fans großer Reihen wie Assassin’s Creed oder Far Cry könnte das stabilere Releases und höhere Qualität bedeuten. Liebhaber kleinerer oder experimenteller Projekte müssen hingegen hoffen, dass diese im neuen System nicht untergehen.

Ob dieser radikale Reset Ubisoft tatsächlich zurück in ruhigeres Fahrwasser führt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist nur: Der Publisher verändert sich – und zwar grundlegend.

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